In der Tradition von 1730

Bürgerschützenverein Wissel 1920 – 1939

Im Jahre 1920 gründete sich die bis dahin bestehende Junggesellenbruderschaft St. Johannes zu Wissel neu zum Bürgerschützenverein zu Wissel. Diese Konstituierung war notwendig geworden, weil zu viele Mitglieder der ehemaligen Junggesellenbruderschaft im 1. Weltkrieg gefallen waren und sich der Verein nicht mehr als lebensfähig erwies. Daher ließ man von jetzt ab auch verheiratete Männer als Bürgerschützen in den Verein eintreten. Die Kenntnis über diese wichtige Versammlung von 1920 ist uns aus Protokollen erhalten geblieben, die Johann Seves glücklicherweise für uns über den 2. Weltkrieg retten konnte.

P r o t o k o l l Wissel, den 26. September 1920

Die Mitglieder des Junggesellen-Schützenvereins zu Wissel versammelten sich heute im Lokal Grüntjens, um über den Fortbestand des Vereins zu beraten. Der Verein hat im großen Völkerringen seine meisten Mitglieder auf dem Felde der Ehre verloren.

Den zurückgekehrten Kameraden ist es nicht mehr möglich, den einst so schönen Verein vor dem Verfall zu bewahren , wenn nicht ganz einschneidende Veränderungen vorgenommen werden. Einstimmig wird deshalb folgendes beschlossen.

  • · Der Verein ändert seinen Namen und zwar soll an Stelle des bisherigen Junggesellen-Schützen-Vereins, Bürgerschützen-Verein gesetzt werden. Es können dann auch Verheiratete dem angehören Dadurch wird sich die Mitgliederzahl so vermehren, dass der Fortbestand des Vereins gesichert ist.
  • · Der Verein wird seiner alten Tradition getreu auch weiter dafür sorgen, daß die Kameradschaft gepflegt, dass die Kirmestage in der früheren Weise verschönt, daß Herz und Lunge durch Ausflüge und Marschleistungen gestärkt, daß die Klassengegensätze überbrückt werden.
  • · Es soll auch ferner das so beliebte Königschießen an den Kirmestagen stattfinden, und so das Althergebrachte beibehalten und neu belebt werden
  • · Über die Ausführung all dieser Pläne, wird in weiteren Versammlungen beraten und Beschluß gefaßt werden.
  • Folgende Statuten werden für den neuen Verein aufgestellt und von der Versammlung einstimmig genehmigt.
  • Gegen die Satzungen des Bürgerschützenvereins zu Wissel ist nichts einzuwenden.

    Wissel, den 8. Juli 1921

    Der Bürgermeister : Hansen

    Die Kasse war 1920 leer, so dass die Schützen ihren Beitrag auf 0,50 RM monatlich festsetzten. Außerdem besserten die Bürgerschützen ihre finanzielle Situation durch Theater-spiele in Wissel auf, um von dem Erlös zum 200jährigen Bestehen im Jahre 1930 eine neue Schützenfahne kaufen zu können. Die Fahnenstange dazu stammte übrigens noch aus der „Junggesellenzeit“ des Schützenvereins.

    Als 1. Vorsitzende fungierten: 1920 Bernhard Dellemann

    1923 / 1924 Heinrich Baumann

    ab 1934 Johann Seves

    Die lange Tradition des Schützenvereins wurde 1939 abrupt von Adolf Hitler beendet. (Norbert Ackermann) Zurück